Projekt Beschreibung

Korsika ist eine besondere Insel im Mittelmeer. Sie ist zwar deutlich kleiner als Sardinien, hat aber einen ganz eigenen Charme. Nachdem uns schon die größere Nachbarinsel in ihren Bann gezogen hatten, wollten wir uns vom “Paradies für Motorradfahrer” selbst ein Bild machen. 2017 war es dann soweit. Wir buchten über das Portal “aFerryeinen Platz für die Adventure und eine Doppelkabine mit Fenster zur Übernachtung, denn Korsika wird ebenfalls per Nachtfähre angefahren. Zwar gibt es auch eine Überfahrtmöglichkeit ab Livorno, aber ab Genua ist es für uns einfach die praktischere Lösung. Wir verschwenden mit der nächtlichen Überfahrt keinen unserer kostbaren Fahrtage, die eh immer sehr rar sind. Mittlerweile hatte sich Bea ihre 800er GS gegönnt und wollte das erste mal selbst solch eine Strecke fahren. Wir versuchten noch ein Plätzchen für ihr Motorrad zu buchen, was uns aber bis zur letzten Möglichkeit nicht gelingen sollte. Die Fähre war einfach zu klein, und die Plätze sehr rar. Somit mußte die “Blue”, wie Bea ihre GS nannte, zuhause in der Garage bleiben. Wir packten also unsere neue GS Adventure und machten uns auf den Weg nach Genua. In der Schweiz buchten wir vorab eine Zwischenübernachtung in der Nähe des Sankt Gotthard. Dieser liegt für uns ungefähr in der Mitte der gesamten Fahrstrecke zum Mittelmeer.

Am darauf folgenden Tag regnete es fast ununterbrochen, auf dem Gotthard gab es sogar Neuschnee. Wir entschlossen uns daher, den schnellsten Weg nach Genua zu fahren, der fast ausschließlich über die Autobahn führte. Somit durchfuhren wir zwangsweise den Gotthard-Tunnel und düsten mit angemessenem Tempo Richtung Italien. Spätestens 40 km vor Mailand wären wir eh auf die Autobahn gewechselt, denn nichts ist langweiliger als in der Po-Ebene 80-90 km Landstraße zu fahren, die schnurstracks geradeaus verlief. Wenn schon eintönig, dann wenigstens mit Tempo. Erst 50 km vor Genua verließen wir die Autobahn wieder, um noch ein wenig die Schönheit Liguriens genießen zu können und uns anschließend ins Stadtgetümmel von Genua zu stürzen. Und dann hörte auch endlich der Regen auf….

Im Hafen angekommen folgte das, für uns mittlerweile schon gewohnte, Procedre: zuerst oben im Terminal die Tickets für die Hin-& Rückfahrt abholen, anschließend unten im Supermarkt alles für unser Abendessen einkaufen, eventuell eine Kleinigkeit essen und dann ganz runter zur Abfertigung. Um 19:00 Uhr ging es dann auf die Fähre zur Verladung, um 21.00 Uhr legte diese auch pünktlich Richtung Bastia ab.

Bonjour Corse

Bereits um 7.00 Uhr morgens waren wir in Bastia. Die Sonne begrüßte uns ausgiebig. Wir waren hungrig und suchten uns eine Möglichkeit zum Frühstücken. Direkt gegenüber des Hafens war ein Cafe namens “Moka”, in dem wir uns erst einmal was zu Essen gönnten und dem frühmorgendlichen Treiben zusehen konnten. Nach dem Frühstück ging es dann los, Richtung Cap Corse im Norden der Insel. Schon die ersten Kilometer auf der höher gelegenen Küstenstrasse waren ein absoluter Genuss fürs Auge, aber auch der Fahrspaß kam keinesfalls zu kurz.

1.Tag von Bastia über einen Besuch am Plage de Tamarone nach Patrimonio

Der erste Tag war gleich mit einer Strecke auf losem Untergrund versehen. Zum Plage (Strand) de Tamarone ging es nur über eine festgefahrene Sandpiste. Dort angekommen wurde natürlich erst mal die Kaffeeküche aufgebaut und am Strand eine herrliche Tasse frisch gekochter Kaffee genossen. Wer hat so was schon als Pauschalurlauber 🙂 Das sind die Annehmlichkeiten, die wir uns gern gefallen lassen. Immer und überall selbst bestimmen, was wir wo genießen wollen, ohne Gedrängel am Büffet oder der Suche nach einem freien Tisch. DAS ist eben Bikerurlaub 😊

2.Tag Von Patrimonio über St.Florent, dem Strand Punta die Cepo nach Calvi im Westen der Insel

Wir folgten der Küstenstrasse D81 bis nach St. Florent und schauten uns in aller Gemütlichkeit die Stadt an. Es gab viel zu sehen, inclusive eines tollen Yachthafens. Danach folgten wir der D81 weiter , die die Küste verließ und uns durchs “Landesinnere” führte, was nicht weniger reizvoll war. Bei Ostriconi waren wir wieder an der Küste und genossen Kilometer für Kilometer die Aussicht. Immer wieder hielten wir an und fotografierten, was das Zeug hielt. Man hätte meinen können, wir hätten noch nie zuvor das Meer gesehen.

3.Tag Von Calvi über Curzu, durch die Felsenlandschaft “Calanches des Pianas”, (die man unbedingt gesehen haben muss) bis zum Plage de Lava

Da wir schon sehr spät dran waren, fuhren wir ziemlich zügig zu unserem nächsten Etappenziel, einem Hotel am Plage de Lava, das einen eigenen Strand in einer Bucht hatte. Vor lauter “auf-die-Uhr-gucken” hatte ich dabei gar nicht bemerkt, dass wir durch eine der schönsten Naturattraktionen die Korsika zu bieten hat, quasi durchgedonnert sind: Die Calanches de Pianas. Am Ziel angekommen hatte Bea mir gleich klar gemacht, WAS wir da verpasst hatten und somit beschlossen wir, am nächsten Morgen die 50 km wieder zurück zu fahren. Nur sind 50 Kilometer auf Korsika einen andere Hausnummer als 50 km z.B. in Deutschland. 😯 Doch der Weg zurück hatte sich gelohnt, wie auf den folgenden Bildern zu sehen ist:

4.Tag vom Plage de Lava über Ajaccio nach Sartène

Über eine Bergpiste fuhren wir zurück zum Meer, genauer an den westlichsten Punkt im Golf von Ajaccio. Dort gab es einen wunderschönen Strand, den wir für eine Stunde nutzen wollten. Danach ging es bei 35°C durch die Innenstadt von Ajaccio weiter Richtung Süden. Wir entschlossen uns durch die Berge nach Propriano zu fahren und erhofften uns ein wenig Abkühlung. Dem war aber leider nicht so, denn auch in den Bergen war es teilweise unerträglich heiß.

5.Tag von Sartène über Bonifacio und Porte Vecchio nach Travo

Bonifacio war ein besonderes Ziel am südlichen Zipfel von Korsika. Eine Stadt in eine Bucht gebaut, erstreckt sie sich vom Meeresspiegel bis zu einer Höhe von 340m. Entsprechend hat man auch einen tollen Ausblick auf die Stadt und die Bucht von Bonifacio.

6.Tag von Travo über die Berge nach Corte und weiter zum Plage de Prunete

Die vorletzte Etappe auf unserer Reise über Korsika führte uns (wieder einmal) durch die Berge. Ziel war Corte, die heimliche Hauptstadt Korsikas. Dort ist auch die einzige Universität angesiedelt. Nach einer kleinen Sightseeing-Runde und einem Eis kehrten wir zurück an die Küste zum Plage de Prunete. Der Strand besteht zwar hauptsächlich aus groben Kies, aber dafür hatten wir den Strand fast für uns allein. Als wir unsere GS abgestellt hatten, kamen sofort ein paar Kinder, die unbedingt auf die Qalle krabbeln wollten. Das haben wir ihnen natürlich gern erlaubt und ein paar Fotos für sie und mit ihnen gemacht. Im Gegenzug durfte Bea auch auf einem Gefährt Probe stehen 😊

7.Tag vom Plage de Prunete über die Berge zurück nach Bastia

Der letzte Tag auf Korsika sollte noch einmal ein Hochgenuss für das Motorradfahrerherz werden. Die ausgearbeitete Strecke war zwar “nur” 144 km kurz, aber die hatte es in sich. In den korsischen Bergen kamen wir kaum vorran. ☝ Bereits wenige Kilometer landeinwärts schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Wir entdeckten in einem abgelegenen Bergdorf noch Wegweiser, die Stunden statt Kilometer zu den nächsten Ortschaften auswiesen. Diese Angaben sollte man durchaus ernst nehmen. Wie ernst, sollten wir schnell selbst erfahren. Zurückgelegte Strecken von 30-40 Kilometern zogen sich endlos, sodass wir schon befürchtet hatten, unsere Fähre nicht rechtzeitig zu erreichen 😉

Wir entschlossen uns, die ausgearbeitete Tour bei der nächsten Gelegenheit abzukürzen und lieber noch einmal eine Pause einzulegen. Das Fahren in den Bergen ist schon recht anstrengend, erst recht wenn man zu zweit auf einem vollgepackten Motorrad unterwegs ist. Bei einem frisch gekochten Kaffee an einem kleinen Wasserlauf kreisten unsere Gedanken noch einmal um die vielen eindrucksvollen Erlebnisse auf dieser wunderbaren Insel.

Unser persönliches Fazit

Die Insel hatte uns definitiv in ihren Bann gezogen. Wenn Sardinien schon eine wirklich wunderschöne Insel zum Motorradfahren ist, dann setzt Korsika aus unserer Sicht noch eins drauf und legt die Messlatte verdammt hoch. Hoch ist aber auch der Anspruch an die Fahrerin / den Fahrer. Hinter jeder Kurve kann (wie allgemein im Süden) unvermittelt ein Hindernis auftauchen, seien es Schafe oder Hunde, ein Stück Strasse das weggebrochen ist, Gestein, das auf die Straße gerollt ist oder Kurvenkombinationen, die sehr anspruchsvoll sind. Korsika verlangt unglaublich viel Konzentration und auch teilweise hohes fahrerisches Können, vor allem in den Bergen. Aber dafür wird man mit atemberaubenden Landschaften, wunderschönen Strecken, mit traumhaften Stränden und wahnsinnig schöne Aussichten belohnt. Für uns steht definitiv fest, wir kommen auf alle Fälle wieder nach Korsika. 🏍🏍

Wenn Du noch mehr über unsere Reise auf Korsika erfahren möchtest, dann klick einfach hier auf den Button. Wir haben unsere Reise in mehrere Teile auf YouTube hochgeladen.

Unsere Korsika Reise