Projekt Beschreibung

 – 7.Etappe –

Von Barcelonnette nach Albertville

Leider ist heute der letzter Fahrtag auf unserer Frankreich-Reise. Da unser Hotel mitten in der Fußgängerzone von Barcelonette gelegen ist und ein Bäcker schräg gegenüber seinen Laden hatte, kannst Du Dir sicher vorstellen, wie kurz unsere Nacht war . Ständig hielten Autos vor dem Laden, deren Türen geknallt wurden. Man vernahm ein deutliches “Bonjour” und die Autotür wurde erneut zugeknallt. Das alles in einer Fußgängerzone, in der gerade mal ein Auto durchpasste und die Häuser mindestens 3 Etagen haben . Na danke!! Das Hotel in dieser Lage war wohl eindeutig die falsche Entscheidung. Wir gingen also runter zum Frühstück, das man mit seinen Standard-Komponenten schon als recht „spartanisch“ bezeichnen kann, so richtig typisch französisch eben. Unsere Baguettes, Croissants und der Kaffee waren schnell verdrückt und um 9.00 Uhr saßen wir bereits wieder im Sattel. 🏍

Das erste Highlight des Tages war der „Col de Vars“. Auf dem Weg dorthin befuhren wir wieder die D900, die wir vor einigen Tagen erst unter den Rädern hatten. Doch dieses Mal ging es nicht rechts ab auf die „C4“ zum „Bonnette“, den wir gern noch einmal besucht hätten. An der Kreuzung standen drei Biker, die sichtlich verwundert auf das Pass-Schild schauten, denn der Col de la Bonnette war gesperrt. Was hatten wir ein Glück, dass er vor wenigen Tagen noch befahrbar war. Da wir auf dem Weg Richtung Norden unterwegs gewesen sind, schenkten wir dem Hinweis daher keine weitere Beachtung. Die Straße rauf zum „Col de Vars“ war genau nach meinem Geschmack. Es gab nicht so viele Serpentinen, die Straßenführung war sehr flüssig und somit konnte man sich prima warm fahren. Zudem war die Strecke gar nicht so überlaufen, wie wir auf den vielen anderen Pässen feststellen mussten. Unterwegs wurden wir von einer Bikergruppe aus Osterode überholt, die wir auf der Passhöhe wiedergetroffen hatten. Schnell kam man ins Gespräch und einer der Jungs machte noch zwei, drei Fotos von uns beiden.

Danach ging es wieder abwärts, um die Richtung zum „Col d`Izoard“ einzuschlagen. In Guillestre stieg kurzzeitig (das erste Mal überhaupt auf unserer Reise) das Navi aus und irgendwie verpasste ich den richtigen Abzweig zum „Col d`Izoard“. Statt kurzfristig auf Google Maps auszuweichen und sich noch einmal zu vergewissern wo es langging, fuhren wir auf der Straße nach links (statt rechts auf die D902) und befanden uns auf der D902A. Verwundert über die Gegend folgten wir der Straße, die sich zu einer langweiligen Nationalstrasse verwandelte. Ungewollt landeten wir unter anderem in L`Àrgentière-la-Bessée. In einer 180° Kehre stand die Skulptur des britischen Bergsteigers Edward Whymper. Na dann hatten wir wenigstens DIE gesehen, wenn das auch nur ein schwacher Trost war. Eine Umkehr kam leider nicht mehr in Frage, wir waren zu weit entfernt vom Abzweig zum „Izoard“. Somit fiel dieses Highlight für uns leider, leider aus. ☹

In Briancon waren wir dann endlich wieder auf der, für heute, geplanten Route.

Der Straße hinauf zum „Col de Lautaret“ war wirklich sehr einfach zu fahren, wieder genau das Richtige für unsere vollgepackte Fuhre.  Entspannt oben angekommen verbrachten wir eine halbe Stunde mit fotografieren.

Bea wies mich auf ein Schild hin, auf dem der „Col de Galibier“ nur 8 km entfernt wäre. Also rauf aufs Motorrad und weiter ging es. Doch die Strecke war für mich alles andere als entspannt. Zuerst sahen wir eine rote Ampel, die vor einem Tunnel aufgebaut war. Vor dessen Portal waren Bauarbeiter beschäftigt. Da ein Motorradfahrer aus München vor dieser Ampel wartete, stellten wir uns hinten dran. Nach gefühlten 5 Minuten kamen einige Autos und Motorräder die Straße herunter. Ok, dachten wir, dann geht es ja gleich los. Mittlerweile stand die Gruppe Biker aus Osterrode neben uns und einer der Jungs sagte, die Ampel wäre für den Tunnel und nicht für die Passstraße. Die Gruppe fuhr los, der Münchner hinterher und wir setzten uns ebenfalls in Bewegung.

Fahrerisch war das Ganze überhaupt kein Problem. Allein der Gegenverkehr durch die ganzen Wohnmobile nervte gewaltig. denn die Strecke war recht eng und es waren natürlich wieder mal keine Leitplanken montiert. Ein für mich nicht gerade beruhigendes Gefühl.😑

Oben angekommen blieb ich ziemlich entnervt auf der GS sitzen, während Bea vom Soziussitz stieg und die Aussicht und natürlich auch das Passschild fotografierte. Nach einigen Minuten Verschnaufpause sollte es weitergehen, denn wer rauffährt, muss auch wieder runterfahren. Die Aussicht bei der Abfahrt war natürlich grandios, wenn ich sie auch nicht so wirklich genießen konnte.

Über den „Col du Télègraph“ ging es dann weiter zum nächste Leckerli: dem Mont Cenis. Das Ziel war zumindest eine Pause am See. Das mittlere Drittel der Anfahrt rauf zum Pass könnte man dem Aussehen links und rechts der Srraße nach mit den Vogesen oder dem Schwarzwald vergleichen. Nach etlichen Kurven und „nur“ vier Serpentinen waren wir oben angekommen. Leider war es etwas trüb und relativ kalt, somit konnten wir die Pause am See vergessen. Kurz genossen wir daher nur die Aussicht auf den See von der Straße aus, bevor wir fast die gleiche Strecke wieder herunterfuhren. Gern wären wir der Straße weiter gefolgt statt umzukehren, aber diese hätte uns zu unserem nächsten Highlight des Tages um viele, viele Kilometer und Stunden entfernt. Und da wir nur noch den heutigen Tag zur Verfügung hatten, kehrten wir eben um.

Nachdem wir schon das erste „große I“ (Col D`Ìzoard) nicht befahren hatten, sollte es zumindest das zweit große „I“ sein, dass wir heute noch erleben wollten. Vom Mont Cenis aus konnte man sich nicht verfahren und somit ging es weiter auf der D902 nach Bonneval-sur-Arc und von dort aus rauf auf den Col de L’Iseran. Die Anfahrt war ja anfangs super und auch flott, aber als wir dann an der Schranke vorbei hochfuhren und die Straße schmaler wurde, gab es wieder generell keine Leitplanke. Direkt neben uns ging es wieder steil abwärts. Doch damit nicht genug, denn ein Bus kam uns entgegen. Na Mahlzeit. . Irgendwie hatten der Busfahrer und ich uns geeinigt wer nun weiterfährt. Oben angekommen war die Aussicht der nackte Wahnsinn . Himmel und Menschen waren unterwegs und auch ein Sportwagen-Club schien seine Mittagspause auf dem Iseran einlegen zu wollen. So viele Sportwagen aller Marken hatte ich noch nie auf einen Haufen gesehen.

Bergab in Richtung Val d’Isere ging alles deutlich entspannter, obwohl die Straße ordentlich mit Rollsplitt gewürzt war. Wir hatten sogar noch die Muße, den vielen Murmeltieren bei ihrem Treiben zuzuschauen. Einfach putzig die Kameraden, wenn auch leider etwas kamerascheu.

Val d`Isere glich einem Geisterort. Das einzige, was an Leben zu entdecken war, waren die vielen Arbeiter auf den Baustellen. Zwar gab es auch ein oder zwei Geschäfte, die geöffnet hatte und auch ein paar Fahrradverleiher hatten ihre Pforten offen. Aber sonst sah man kaum eine Menschenseele. Ziemlich mau für so einen berühmten Ort. Da wird sich wohl so ziemlich alles erst im Winter abspielen, wenn die Ski-Saison eröffnet ist.

In Bourg-Saint-Maurice angekommen, wollte uns das Navi noch einmal in die Berge schicken. Angedacht war der „Comet de Roselend“. Da die restliche Etappe aber noch gut 150 km lang gewesen wäre, entschlossen wir uns für den Abbruch der Tour. Es war mittlerweile schon nach 16 Uhr und somit suchten wir uns für heute Nacht eine Bleibe. In Albertville wurden wir fündig und somit endete unser Abenteuer RdGA vorläufig mit einem Sprung in den Pool.